Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg
Geschichte
Lord Robert Baden-Powell
Gründer der Weltpfadfinderbewegung ist Lord Robert Baden-Powell of Gilwell, geboren am 28.02.1857 in London, gestorben am 08.01.1941 in Kenia.
Mittels seines ausgearbeiteten Programms sollten Jungen - und später auch Mädchen - zu einer persönlichen Lebensform vorstoßen, die geprägt ist durch die Bereitschaft zum Handeln auf der Basis gesellschaftlicher Mitverantwortung. Wesentlich dabei war ihm eine besondere Ausbildung in Beobachtung und Erkundung. 1907 erprobte er sein Modell und veröffentlichte 1908 das Buch "Scouting for Boys", was zur Gründung der weltweiten Pfadfinderbewegung führte, die heute mehr als 24 Millionen Mitglieder zählt.
Auch in Deutschland kam es zur Gründung von Pfadfindergruppen: 1909 "erfand" der Stabsarzt Dr. Alexander Lion den Namen "Pfadfinder" für das englische Wort "scout" und verband in seiner Konzeption bewusst deutsche Vorstellungen von Jugendarbeit mit den Ideen Baden-Powells. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges gab es bereits 100.000 Pfadfinder in Deutschland, die allerdings auf Grund unterschiedlicher Interpretationen des Inhalts pfadfinderischer Erziehung in zahlreichen Gruppierungen zersplittert waren.
Im Ersten Weltkrieg verblassten allerdings die Ideale. Gleichzeitig orientierten sich katholische Jugendgruppen am Pfadfindertum als einen neuen erzieherischen Weg, dem sie folgen wollten, ohne ihre Zusammengehörigkeit mit anderen katholischen Gruppen zu verlieren. Es entstand ein neuer Zweig: die DPSG
Am 7.Oktober 1929 wurden die ersten katholischen Pfadfindergruppen, die sich in der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) zusammengeschlossen hatten, zur "Probe" in den Katholischen Jungmännerverband vorläufig aufgenommen. Diesem "Geburtstag" der DPSG folgte 1931 durch einstimmigen Beschluss die endgültige Aufnahme. Die DPSG wollte ein eigenständiges Pfadfindertum entwerfen, und besonders kennzeichnend war, dass sie von Beginn an Mitglieder aus allen sozialen Schichten und Gruppierungen aufnahm.
Der Machtergreifung des nationalsozialistischen Regimes 1933 folgte die schrittweise Gleichschaltung bisheriger gesellschaftlicher Organisationen "zum Schutze von Volk und Staat". Über Schikanen, Folter und Mord versuchte man, die Pfadfinderbewegung in den Griff zu bekommen. Als 1938 die DPSG zwangsweise aufgelöst und verboten wurde, wurde der Verband umbenannt in "Gemeinschaft St. Georg". Und so wirkten die Pfadfinder weiter in aller Stille im Untergrund.
Lord Robert Baden-Powell
Nach der Kapitulation des nationalsozialistischen Regimes wurde mit dem Wiederaufbau des Verbandes sofort begonnen. Hierbei wurde, wie auch in den folgenden Jahren, das Erziehungsmodell Baden-Powells in seinen Hintergründen und Absichten, Methoden und Wirkungen umfassend aufgearbeitet und zeitbezogen kritisch reflektiert. Man lernte aus der Praxis, überdachte die pädagogischen Ansprüche und die Ordnung des Verbandes neu. Durch diese Dynamik entwickelte sich die DPSG immer weiter und blieb für die Jugend attraktiv.
Der ursprünglich reine Jungenverband ließ erst 1949 auch Frauen als Leiterinnen zu. Gegen Ende der 60er Jahre kamen immer mehr Mädchen und Frauen zur DPSG, so dass 1971 die 31. Bundesversammlung dieser Entwicklung Rechnung trug und die als koedukativen Verband beschrieb.
Entlang ihrer Geschichte hat sich die DPSG Schwerpunkte gesetzt. Zum einen wurden Behinderte in das Leben des Verbandes integriert, um Vorurteile abzubauen und zu überwinden. Weiterhin verpflichtet die Internationalität des Pfadfindertums zur Solidarität mit Pfadfindern in Ländern der Armut, Not und Unterdrückung. Deshalb unterstützt die DPSG in zahlreichen Partnerschaften lokale und regionale Entwicklungsprogramme personell und finanziell. Auf Grund der Benachteiligung und Diskriminierung von Ausländern sind die Kinder ausländischer Arbeitnehmer in die Gruppen der DPSG eingeladen, um auf diesem Wege auch hier Vorurteile abzubauen und Verständnis füreinander zu wecken.
Da Baden-Powell die Mitglieder der Weltpfadfinderbewegung aufgefordert hat, Friedenspfadfinder zu sein, durchzieht der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden das Engagement der DPSG seit der Wiedergründung nach 1945. Außerdem finden viele Aktivitäten der Gruppen des Verbandes im Freien statt. Darum waren Natur- und Umweltschutz schon immer ein besonders Anliegen der DPSG.
Um die vielfältigen Aufgaben und Projekte dieser Schwerpunkte qualifiziert angehen und behandeln zu können, benötigt die DPSG zusätzliche Finanzmittel. Aus diesem Grund hat der Verband 1961 die Jahresaktion "Flinke Hände, flinke Füße" ins Leben gerufen, die bundesweit für wechselnde soziale Projekte durchgeführt wird. Zwischen 1961 und 1987 erbrachten die Mitglieder der DPSG mehr als 6 Millionen DM und betrieben entsprechende Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit zum jeweiligen Zweck und Inhalt der Aktion.





